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Jazz thing 81
Nummer 81
November 2009 - Januar 2010

Mercedes Sosa ist tot
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Mercedes Sosa“Ganz Argentinien weint“, hieß es gestern, als der Tod von Mercedes Sosa vermeldet wurde. Die Grande Dame der „Nueva Canción“ ist im Alter von 74 Jahren in Buenos Aires an einem Leberleiden gestorben. Niemand hat das südamerikanische Lied seit den 1960ern so geprägt wie die Frau aus San Miguel de Tucumán, wo sie 1935 geboren wurde und mit der Folklore des Nordwestens und den Traditionen ihrer indianischen Vorfahren aufwuchs. Anfang der 1960er begründete sie mit ihrem Ehemann den argentinischen Ableger der panamerikanischen Bewegung des Neuen Liedes, die sich einerseits radikal gegen die herrschenden politischen Verhältnisse stellte und gleichzeitig eine Befruchtung traditionellen Kulturgutes durch aktuelle, expressive Poesie und Kunst anregte.

Sosa entschied sich für eine poetische, nicht militante Haltung in ihren Canciones, Inspirationen empfing sie über Landesgrenzen hinweg von Atahualpa Yupanqui, Violeta Parra, Silvio Rodriguez und Milton Nascimento. Bereits in den späten Sechzigern hatte sie Auftritte rund um die Welt, wurde in ihrer Heimat liebevoll als „La Negra“ verehrt. Den Militärs, die 1976 an die Macht kamen, war sie ein Dorn im Ohr, Ende der Siebziger ging sie nach einer Verhaftung während eines Konzerts für vier Jahre ins Pariser und Madrider Exil. Nach der Rückkehr kämpfte sie unvermindert weiter für Menschenrechte, insbesondere für die der Frauen, wurde von der UNESCO geehrt und erhielt für ihre Neueinspielung der „Missa Criolla“ 2000 einen Grammy. Aus ihren jüngeren Aufnahmen ragt außerdem "Corazón Libre" heraus, auf dem argentinische Dichtung der Jetztzeit mit Folklore gepaart wird.

Vor zwei Wochen schon war sie in die Klinik eingeliefert und schließlich von den Ärzten in ein künstliches Koma versetzt worden. Nun hat Lateinamerika seine prominenteste Stimme verloren, die Interpretin auch eines der bekanntesten und bewegendsten Hymnen des ganzen Kontinents, „Gracias A La Vida“. Sosas Leichnam ist im Parlament aufgebahrt, wo seit gestern große Menschenmengen von ihre Abschied nehmen. Ihr letztes Album „Cantora“, wie schon etliche ihrer 70 Platten zuvor mit jungen Gesangskollegen aus ganz Südamerika eingespielt, unter ihnen Caetano Veloso, Shakira und Daniela Mercury, wird am 30. Oktober nun posthum erscheinen.

 
Mercedes Sosas neues Album "Cantora" mit panamerikanischen Gastauftritten wie Shakira, Caetano Veloso und Daniela Mercury