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Jazz thing 75

Amparanoïa . Sag zum Abschied laut „Adiôs“ [1/2]
 

Die spanische Band Amparanoïa empfiehlt sich nach zwölf bewegten Jahren, mehr als 700 Konzerten und sieben Plattenveröffentlichungen. Den fröhlichen Rausschmeißer liefern Amparo Sánchez und ihre Mannen mit dem DVD-Doppel-CD-Paket „Seguiré caMinando“ sowie mit ca. fünfzig Abschiedskonzerten. Katrin Wilke passte die singende Frontfrau zum Auftakt der bis Oktober dauernden „Bye Bye Tour 08“ in Madrid ab, also dort, von wo aus man einst startete und lautstark vorführte, wie Mestizo-Musik außerhalb des Epizentrums Barcelona klingt.

Schon der wortspielerische Bandname suggeriert, wer bei Amparanoïa die Nase vorn hat. Dabei hält es Amparo Sánchez durchaus basisdemokratisch mit diesem „Projekt“, wie sie den personell wechselhaften Verbund von Spaniern und Latinos lieber nennt, dessen einziges Dauermitglied sie selber war. 1996 hatte es die damals 26-jährige Andalusierin aus der Taufe gehoben, ermutigt von ihrem guten Freund Manu Chao.

Nachdem die Lieder der singenden Gitarristin in Madrids Straßen und Bars ihre Feuertaufe bestanden hatten, sollten sie mit instrumenteller Verstärkung und in größerem Stil unter die Leute gebracht werden. Mit Erfolg, wie sich schnell herausstellte.

„Das Beeindruckendste ist, wenn du siehst, dass sich die Leute deine Lieder zu eigen machen. Dass sie das, was du ausdrücken wolltest in einem Sound oder Liedtext, annehmen, sich damit identifiziert fühlen. Dass sie mitsingen und dazu tanzen, das ist einfach sehr bewegend.“

Dieser lebendige, hör- und sichtbare Link zwischen Musik und Zuhörer ist es, was der Frau mit den lachenden Augen und dem zum Band-Logo mutierten dicken, schwarzen Haarpinsel auf dem Kopf nach wie vor am meisten am Herzen liegt. Dies vermittelt sich im Gespräch, vor allem aber natürlich bei den Auftritten selber. Selbst bei denen in Madrid, wo auch noch vier Jahre nach Amparos Weggang jedes Amparanoïa-Konzert ein sicheres Heimspiel vor ausverkauftem Hause und bedingungslos ausgeliefertem Publikum ist.

Wer sich bis dato live noch nicht satt sehen bzw. hören konnte, der bekommt nun mit „Seguiré caMinando“ (Via Lactea/Broken Silence) eine Zugabe auf DVD und CD von der letzten Tour 2006, die im wunderschönen, alten Barcelonaer Apolo-Theater endete. Auch dort meint man die Herzen regelrecht sehen zu können, die der charismatischen Sängerin zufliegen, während sie mit der Rückendeckung ihrer Crew die wogenden Massen zum Mitsingen bezirzt. Eher rhetorisch, denn das Publikum stimmt auch unaufgefordert mit ein. Selbst in Songs der ersten Stunde wie „Hacer Dinero“, dem Opener vom 1997 erschienenen Debüt „El Poder de Machín“.

Als Amparo damals ihre Kritik am schnöden Mammon in diese Latin-Dance-Nummer packte, da gehörte sie selber noch eher zu den Mittellosen. Mittlerweile kann sie ein Haus auf dem Land unweit von Barcelona und ihren vielen Musikerfreunden ihr eigen nennen, und sie muss längst nicht mehr singen „Ich habe kein Geld, aber dafür viele Freunde“. Und die hat die weitgereiste Sympathieträgerin in der Tat reichlich. Von dem weitverzweigten Netzwerk inner- und außerhalb Spaniens geben die Song-Raritäten („Blood & Fire“, „Mis Pasos Van“, „Tu Calle“) und Remixe auf CD2 im Abschiedspaket eine Idee.

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Feature: Amparanoïa. Sag zum Abschied laut „Adiôs“