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Jazz thing 71
Nummer 71
November 2007 - Januar 2008

Eastenders . Pfade nach Osten [1/3]
Eastenders
Eastenders - Beyond The Path
Fotos: Isa Schäfer
 
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Wenn es nach Stefan Müller und Cem Buldak geht, dann liegt Europas Zukunft im Osten. Unter dem Projektnamen Eastenders orientieren sich der deutsche DJ und der Produzent türkischer Abstammung seit 2000 in Richtung Asien, Balkan und vor allem Orient, um ihren Kreationen von globaler Tanzmusik die richtige Würze zu geben. Gerade ist ihr zweites Album „Beyond The Path“ erschienen. Stefan Franzen sprach mit den beiden Kreativköpfen aus Rhein-Main.

Euer erstes Album hieß „Along The Path”, jetzt geht es mit „Beyond The Path” weiter - was hat das „jenseits” für eine Bedeutung?

Stefan Müller: Dieses Jahr war ich auf Cabo Verde, wo es die kreolische Mischkultur gibt, das hat mich daran erinnert, wie die Gypsy-Musik sich entwickelt hat: Einflüsse aufnehmen und dalassen. Wäre ich Ethnologe, würde ich von Hybridität sprechen, so aber sage ich einfach „Beyond The Path“: Man entdeckt am Rande des Pfades immer Neues, muss und will aber auch weiterziehen.

Cem Buldak: „Along The Path“ hatte für mich viel mit Rumprobieren zu tun, in verschiedenen Ländern recherchieren und das zu verarbeiten. „Beyond The Path“ ist nun die Umsetzung dieser Erfahrungen und gleichzeitig der Ansatz, sie in neue Szenerien hineinzusetzen, wie das eben mit Remixes passiert.

Habt ihr die Remixes in Auftrag gegeben oder sind die DJs aus eigenem Antrieb an euch herangetreten?

Müller: Ich fand es toll, mit Leuten zu arbeiten, die man kennen gelernt hat über die Jahre hinweg. Wir wollten nicht mit irgendjemandem kollaborieren, sondern mit Leuten, die bei Liveauftritten und DJ-Gigs unsere Freunde wurden, mit denen wir seit langem Austausch pflegen.

Buldak: Cay Taylan aus Wien hat zum Beispiel den selben Background wie ich, wir unterhalten uns in einer Mischsprache; wir haben entdeckt, dass wir in unserer Kindheit teils die gleichen Sachen gehört haben. Trotzdem haben wir eine sehr unterschiedliche Herangehensweise an die Musik.

Die Remixer kommen aus ganz Europa: Ist „Beyond The Path“ ein gesamteuropäische Bestandsaufnahme der Global Beat-Szene?

Müller: Mit Schwerpunkt aber in Richtung Osten, es geht nach Wien, Budapest, Istanbul – mit einer Ausnahme, und das sind die Underwolves aus London.

Es gibt aber nicht nur Fremd-Remixer und recycelte Songs aus dem ersten Album. Einiges habt ihr auch selbst neu bearbeitet, wie den Song „Taxici“, der zu „Capitalism” wird. Legt ihr eure Stücke gleich so an, dass ihr mehrere Versionen davon fertigen könnt? Oder anders gefragt: Gibt es für euch von einem Stück keine definitive Version sondern immer gleichberechtigte Varianten?

Buldak: Wenn man einen Weg geht, dann kommen Abzweigungen und für eine musst du dich dann entscheiden, wie beim Musikmachen, beim Arrangieren. Fürs erste Album haben wir viel Material aufgenommen, das wir jetzt erst wieder rausgekramt haben.

Müller: Auf „Capitalism“ singt ja Bajka eine neue Vokalspur und die hatten wir mal remixt auf einem Dissidenten-Track. Dann haben wir sie zufällig auf einem Radio Citizen-Konzert getroffen und ihr unser erstes Album mitgegeben. Daraufhin hat sie sich gemeldet, weil sie „Taxici“ so super fand. Der Remix war letztendlich ihre Idee.

Buldak: Sie hatte Skizzen gemacht auf einen Entwurf von uns und wir haben dann einen neuen Teppich für sie gelegt, das ging ein paar Mal hin und her.

Eines der neuen Stücke heißt „Sex & Cookies“ und hört sich ein wenig an wie ein alter Dave Pike-Track...

Müller: Der Track an sich ist eine Reminiszenz an die Clubnacht „Indian Vibes“, die ich vor genau zehn Jahren mit ins Leben gerufen habe. Da das kurz nach dem Tod von Nusrat Fateh Ali Khan war, haben wir ihm auch direkt diese erste Nacht gewidmet. „Sex and Cookies“ ist ja ein Sitarfunk, und Sitarfunk stand damals schon als Genrebegriff fest. Wir wollten, dass es in diesem Geiste funky klingt.

Woher kommen eure Inspirationen und eure Samples – gibt es zuhause eine große Plattensammlung?

Buldak: Ganz wenig Samples! Es gibt manchmal einen main sample, auf dem der Song basiert, der am Ende dann gar nicht mehr übrig bleibt. Wenn es tatsächlich einen Sample gibt, dann kommt das meistens aus einem Ordner auf meinem Laptop, da kommt alles rein, was ich irgendwo höre und da kann es dann erst mal zehn Jahre brach liegen, bevor es verwendet wird.

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Feature: Eastenders. Pfade nach Osten