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Jazz thing 69
Nummer 69
Juni - August 07

Ghana @ 50.
Highlife, Hiplife und die Musik der Palmwine Bars [1/3]
Highlife-Publikum in Ghana
Highlife-Publikum in Ghana
Foto: Wolfgang König
 
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Am 6. März 1957 wurde die Goldküste als erste Kolonie im subsaharischen Afrika ein selbstständiger Staat. Seitdem heißt das Land Ghana – in Anlehnung an das gleichnamige altafrikanische Großreich. Kwame Nkrumah hatte in langen Verhandlungen mit der britischen Kolonialmacht erst innere Autonomie und dann die vollständige Unabhängigkeit erreicht. Als eines der wenigen Länder des Kontinents hatte Ghana schon zu Kolonialzeiten eine einheimische Popmusik entwickelt: Highlife.

„Akwaaba“, „Willkommen“ – dieses Schild begrüßt den Reisenden am Flughafen von Accra und es ist keine hohle Phrase. Wie schon bei meinem ersten Besuch stelle ich auch diesmal wieder fest, dass es kaum freundlichere und hilfsbereitere Menschen gibt als die Ghanaer, die – verglichen mit anderen Ländern der Region – geradezu auf einer Insel der Stabilität, Sicherheit und Demokratie leben und keine größeren ethnischen Konflikte kennen.

Einer meiner ersten Wege führt mich an die Musikabteilung der Universität zu Professor John Collins. Der gebürtige Engländer hat den größten Teil seines Lebens in Ghana verbracht, gilt als der Experte für Highlife und Afrobeat und unterhält ein privates Museum für afrikanische Popmusik. In seinem Uni-Büro probt gerade die von ihm gegründete Palmwine-Band Local Dimension. „Was für den Jazz der Blues, das ist für Highlife die Palmwine Music“, meint Collins. „Ihre Ursprünge liegen in Liberia, beim Küstenvolk der Kru. Die waren seit langem als geschickte Fischer bekannt und wurden von europäischen Reedereien gerne als Seeleute angeheuert. Auf diese Weise verbreiteten sie ihre Musik, die mit einer akustischen Gitarre und ein bisschen Perkussion auskommt, an der ganzen westafrikanischen Küste, wo sie oft in Palmwein-Bars gespielt wurde, daher der Name. In Nigeria wurde daraus später Juju, in Ghana Highlife.“ Gralshüter der Palmwine Music ist der 73-jährige Gitarrist und Sänger Koo Nimo aus Kumasi, der Hauptstadt der Ashanti-Region, der jahrzehntelang im Hauptberuf Chemiker an der Universität war, bevor er sich ganz der Musik zuwandte. Im Juni kommt er zum ersten Mal für Konzerte nach Deutschland.

Wie Congo-Rumba oder Afrobeat ist auch Highlife ein Beispiel dafür, dass der Atlantik keine kulturelle Einbahnstraße war. Mit Soldaten des West Indian Regiment aus Trinidad, das von den Briten gegen die widerspenstigen Ashantis eingesetzt wurde, kam der Calypso in den Highlife. Europäische Salonmusik wurde ebenfalls adaptiert, um das Unterhaltungsbedürfnis der britischen Beamten und der einheimischen Oberschicht zu befriedigen. Die Bevölkerung, die in den vornehmen Clubs nicht zugelassen war, nannte das, was sie von der Straße aus hören konnte, „High Class Music“, woraus später „Highlife“ wurde. Und als im Zweiten Weltkrieg US-Truppen in Westafrika stationiert wurden, integrierten die Highlife-Bands eine kräftige Dosis Swing in ihre Musik. Bläser avancierten zur Standard-Besetzung, vor allem nach Louis Armstrongs Westafrika-Tourneen in den 1950ern, bei denen er oft mit einheimischen Musikern jammte, etwa mit E.T. Mensah, einem der frühen Helden des Highlife, der unter Satchmos Einfluss vom Saxofon zur Trompete wechselte.

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Feature: Ghana @ 50. Highlife, Hiplife und die Musik der Palmwine Bars