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Jazz thing 69
Nummer 69
Juni - August 07

Ghana @ 50 .
Highlife, Hiplife und die Musik der Palmwine Bars [2/3]
Highlife-Publikum in Ghana
Highlife-Publikum in Ghana
Foto: Wolfgang König
 
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Kwame Nkrumah, der Ghana in die Unabhängigkeit geführt hatte, war auch einer der Väter des Pan-Afrikanismus und der afrikanischen Einheit. Er förderte den kulturellen Austausch innerhalb des Kontinents und schickte regelmäßig Highlife-Bands in andere Teile Afrikas, wo sie nachhaltigen Einfluss auf die jeweilige lokale Szene ausübten. So wurde Highlife zur ersten panafrikanischen Popmusik.

„Nkrumah wusste, wie wichtig Musik für die Entwicklung von Ghana war“, meint Ebo Taylor, einer der großen Veteranen der Highlife-Gitarre, der an der Universität in Accra die Studenten-Band leitet. „Deshalb schickte er mich und andere junge Musiker zum Studium nach London. Da lernte ich Fela Kuti kennen, mit dem ich des öfteren spielte. Auch Fela hat ja, bevor er zum Afrobeat-Pionier wurde, jahrelang Highlife gemacht.“

Nkrumah wurde 1966 gestürzt. Die Militärregierungen der folgenden zweieinhalb Jahrzehnte verhängten häufig Ausgangssperren, die das Nachtleben abwürgten und die meisten Clubs ruinierten. Bis heute hat Accra bei mehr als doppelt so vielen Einwohnern nicht halb so viele Clubs wie zu Nkrumahs Zeiten. Außerdem betrachteten die Militärs Musik als Luxus. Das bedeutete unter anderem hohe Steuern auf Live-Events, Platten etc. Viele Highlife-Bands flüchteten unter das Dach der steuerbefreiten Kirchen und änderten lediglich die Texte. Mittlerweile ist Gospel-Highlife mit einem Anteil von 60 Prozent am Tonträgermarkt Ghanas umsatzstärkstes Genre.

Verheerend wirkten sich auch die extremen Einfuhrzölle auf elektrische Gitarren, Keyboards und andere Instrumente aus, die erst in jüngster Zeit nach langer Lobbyarbeit der Musikergewerkschaft abgeschafft wurden. „20 Jahre hat es gedauert“, meint John Collins, „aber nun hat die Politik begriffen, dass Musik nicht nur reine Unterhaltung ist, sondern sogar zur wirtschaftlichen Entwicklung beitragen kann. Die Musikindustrie schafft schließlich Jobs und erzielt Export-Erlöse in harten Währungen. Das beste Beispiel dafür ist Rita Marleys Studio in Aburi bei Accra, das immer wieder von Ausländern gemietet wird. Was jetzt noch ansteht, ist, Musik endlich wieder in den Lehrplan der Schulen zu integrieren.“

Den diversen Militärregierungen lastet Collins auch an, dass Highlife außerhalb von Ghana zu einer vergessenen Popmusik wurde, denn sie ruinierten die Wirtschaft des Landes einschließlich der Musikindustrie, die zerstört war, als Ende der 1980er die Worldmusic-Welle anrollte. Als die westliche Welt endlich bereit war, afrikanische Musik zur Kenntnis zu nehmen, hatten frankophone Länder wie Senegal, Mali oder Zaire die Nase vorn und Ghanas Musiker das Nachsehen.

In den 1970ern waren viele Ghanaer, darunter natürlich auch Musiker, ins Exil gegangen. In London gründeten Teddy Osei und Mac Tontoh aus Kumasi die erste international erfolgreiche afrikanische Band: Osibisa. In Europa vollzog sich auch die nächste Etappe der Highlife-Entwicklung – aber nicht in England, sondern in der Bundesrepublik, wo man sich nicht darauf verlassen konnte, immer genügend Landsleute im Publikum zu haben. „Um die Deutschen auf die Tanzfläche zu locken, haben wir Highlife mit Soul, Funk, sogar Disco aufgepeppt“, erinnert sich der Gitarrist und Sänger George Darko. „Und weil viele der beteiligten Musiker in Hamburg lebten, bekam der neue Stil den Namen Burgher Highlife.“ Wie viele Auslands-Ghanaer ist auch George Darko, der seinen Hauptwohnsitz in Berlin hat, zum 50. Unabhängigkeitstag in der alten Heimat. Aber bei ihm ist es mehr als Patriotismus: Als Hauptexponent des Burgher Highlife ist er einer der Künstler, die sich zu den Feierlichkeiten der Nation präsentieren, beim landesweit übertragenen Großkonzert „From Highlife to Hiplife“.

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Feature: Ghana @ 50. Highlife, Hiplife und die Musik der Palmwine Bars