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Jazz thing 68
Magazin für Jazz

Spleeniger Spielmann
Das neue Werk von Johann Zachrisson aka Zilverzurf
Zilverzurf
Johann Zachrisson
Fotos: Promotion
 
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„Die Aufgabe des Silversurfers, dieses Superhelden aus den Marvel Comics, ist es, im Universum herumzusurfen, bis die Menschheit von allem Bösen befreit sein wird“, erklärt Johan Zachrisson. „Diese Figur ist ein Freigeist, er kann 'dubby things’ tun, und deshalb habe ich mir 1978 diesen Namen als Pseudonym zugelegt, mit 'z’ freilich, um nicht das Copyright zu verletzen.“ Der 50jährige Schwede ist wahrscheinlich einer der letzten aufrechten Hippies des Musikbiz.

Aufgewachsen mit Space- und Krautrock, aber auch mit tiefen Wurzeln in der Melancholie der schwedischen Folkmusik, wendet er sich Ende der Siebziger von bekiffter Psychedelia ab und lässt mit der legendären Band Dag Vag den extrem tanzbaren „transkontinentalen Rockreggae“ auf das schwedische Publikum hernieder prasseln. Gleichzeitig wird er zum Offbeat-Aficionado, erlebt legendäre Marley-Konzerte in Stockholm, jamt mit Ijahman Levi. Mit Frau und drei Kindern siedelt er – aufgestört durch die radioaktiven Winde der Tschernobyl-Katastrophe – schließlich über nach Portugal, erkundet von dort aus die Welt, mit den Präferenzzielen Marokko und Indien.

„Schweden war mir zu strukturiert und reguliert, doch irgendwann kam ich dann doch wieder zurück. Immerhin gibt es in Stockholm mittlerweile eine kleine Weltmusik-Szene, die sich allerdings nur schwer gegenüber dem immensen Folk-Markt behaupten kann. Das Zentrum dieser Bewegung ist das Rub-a-Dub-Studio, wo sowohl Latin-Musiker ais auch die jamaikanische Posse abhängt.“ „West-Eastern Impressions“ (Lola’s World/Soulfood) ist Zilverzurfs neuer Ritt durch den Raum, eine Bündelung seiner Stockholmer Umtriebe sowie seiner weltweiten Kontakte.

Ursprünglich als reines Rai-Album geplant, uferte das Werk von den arabischen Farben zu einem globalen Kompendium aus. Der in Stockholm aufgewachsene Ghanaer Papa Dee toastet, schwedische Exilmusikanten wie Desmond Foster oder die Brasilianerin Simone Moreno und der alte Compagnon Sammy Kasule aus Uganda haben Vokalparts übernommen. Daneben aber gibt es Färbungen aus Johans zweiter Heimat mit einer portugiesischen Cumbia, heimlicher Hit des Werks ist ein hitziger Bhangra mit Rockstars aus Neu Delhi, die zufällig in der nordischen Kapitale gestrandet waren. Als Basis der Tracks swingt der Beat öfters, aber nicht zwingend im Off.

“Ich sehe mich nicht als Reggae Artist und auch nicht als Weltmusiker“, fasst Zachrisson zusammen, der unter seinem braven bürgerlichen Namen auch für Mankell-Verfilmungen Soundtracks schreibt. „Eher als das, was der Schwede unter ‚Spelman’ versteht. Mein Traum wäre eine Gesellschaft wie in Mali, wo der Griot dem Volk seine Geschichte nahebringt und dafür eine Bleibe und Nahrung erhält. Aber das ist sicherlich eine naive Vision, oder?“

Text: Stefan Franzen

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Feature: Spleeniger Spielmann - das neue Werk von Johann Zachrisson aka Zilverzurf