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Jazz thing 62

Barcelona Raval Sessions 2. Crema Catalana
 

Jeder treibt es musikalisch mit fast jedem in Barcelonas Mestizo-Familia. Man geht auseinander und neue oder alte Liaisons ein, inner- und außerhalb der Stadtgrenzen. Von dem Trend profitierte vor gut zwei Jahren die Compilation „Barcelona Raval Sessions“ (K Industria/Exil/Indigo). Und nun der Nachfolger, Nummer Zwei.

Da tüfteln zwei Ex-Macacos, der Argentinier Martin Fuks und der Kolumbianer Beto Bedoya, mit einem DJ aus Italien unter dem Namen Barxino (Link zum Stadtviertel Raval, das früher Barrio Chino hieß) an ihrem raffinierten Mix aus Elektronik und Folk. Ihr Beitrag auf der Doppel-CD beweist, dass viele Köche keineswegs den Brei verderben: Das betörende Teamwork der brasilianischen Band-Sängerin, eines in Barcelona ansässigen Gnawa-Musikers und des Bassisten der Thievery Corporation gehört zu den Tracks, mit denen die Compilation Appetit macht auf ungelegte Eier, baldige Releases, wie Barxinos lang erwartetes Debüt oder das zweite Album des hierzulande schon geläufigen Go Lem System.

Auch Radio Malanga bringt vorab einen Song seines im Senegal aufgenommenen Erstlings ans Licht. Die Big Band-Crew aus Kubanern, Uruguayos, einem Ghanaer und einer Spanierin nahm vor knapp zwei Jahren ihren musikalischen Faden aus Funk, Reggae und Latino-Allerlei auf. „Wir suchen nach unseren Wurzeln, symbolisiert durch die beliebte, sehr nahrhafte Malanga-Knolle, und zugleich nach allen in der Luft liegenden Einflüssen, die dann als 'Malanga-Wellen' versendet werden“, so dechiffriert der Sänger, Rapper und Keyboarder Mel Semé aus Kuba den Bandnamen. Sein Kumpel und Landsmann Dennis „El Huevo“, Lieblingstrompeter vieler Barcelonaer Bands, assoziiert zudem das Zappen durch die Radiofrequenzen mit dem durch die Musikstile. Ein Verfahren, ohne das der gesamte Soundtrack Barcelonas und also auch dieses Album nicht denkbar wäre.

Einen nicht minder markanten Farbfleck hinterlässt in diesem urbanen Klangbild die Singer/Songwriterin Luciana Carlevaro mit ihrem Projekt Nubla. Die in Barcelona geborene Tochter argentinischer Emigranten spann im Windschatten vielfältiger Aktivitäten - zuletzt am Background-Mikro der Ojos - ihre aparte Vision „einer Melange aus Downtempo-HipHop und Samples alter Songs. Ich mag diese Verbindung von Modernem und Altem sehr. Daher klingt die Platte trotz Elektronik auch warm.“ Eine Idee davon gibt auf den „Sessions“ ein eigenwilliges Caetano-Veloso-Cover. Die übrigen, allesamt selbst komponierten intimistisch-poetischen Stücke sind demnächst auch hierzulande auf Nublas Debüt „Voayeur“ nachzuhören. Der wortspielerische Titel nimmt den Reisenden wie auch den Spanner ins Visier.

Text: Katrin Wilke

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