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Jazz thing 60
Magazin für Jazz

Cheb Balowski. Bombenstimmung [1/2]
 

Die zehn Barcelonaer Youngster der Band Cheb Balowski, die sich mehrheitlich aus frühester Kindheit kennen und gemeinsam die Schulbank drückten, haben auch sieben Jahre nach Bandgründung und trotz musikalischer Solidität live noch immer den Anschein einer liebevoll und frisch ambitionierten Schülerband.

„Wir sind verliebt - in die Musik sowieso - aber vor allem ineinander. Wir umarmen uns den ganzen Tag lang. Auf der letzten Tour waren wir ständig am Kuscheln und am Küsschengeben. Wir sind eben Hippies.“ So beschreibt der Bassist Marc Llobera die Chemie, die sich im Laufe von mehr als vierhundert Gigs und drei Plattenaufnahmen zusammen gebraut hat.

„Zu spielen, also etwas machen zu können, was dir gefällt und dabei die Welt zu bereisen - das ist schon was. Dieses Jahr gehen wir auf Welttour, wir werden in Jordanien und Algerien auftreten sowie in ganz Europa. Was lernt man dabei? Dass Musik ein Weg ist, Menschen kennen zu lernen und es sich gut gehen zu lassen. In Form eines Liedes deine Meinung auszudrücken zu können, das verschafft einem ein Wohlgefühl. Außerdem hören einem die Leute zu, sie tanzen und reagieren und sagen einem nach dem Konzert: Hey, toll - Glückwunsch! All das ist unbezahlbar. Würde das immer so klappen, dann wäre wohl jeder Musiker“, spekuliert ein lachender, etwas übermüdeter Bassist.

Gerade kehrten er und seine Musikerfreunde von einer kleinen Record-Release-Tour durch Spanien zurück, um nun im katalanischen Heimspiel die Live-Tauglichkeit des neuen Albums auf Herz und Nieren zu prüfen. Dessen lautmalerischer Name „Plou Plom“ - Es regnet Blei - (Kasba/Galileo) wird durch eine Fußnote „Musiqueta que enamora“ (Musik, die umgarnt) konterkariert und von seinem Schwergewicht befreit. „Es regnet Blei“ steht aus Lloberas Sicht auch für die fallenden Bomben in aller Welt, die in den letzten Jahren gerade die Bevölkerung Spaniens politisch wacher und aufmüpfiger machten.

Der konträre CD-Titel hält, was er verspricht, kommen doch auch die zwischen Orient und Balkan pendelnden Songs von Cheb Balowski gleichermaßen ruppig wie charmant daher. Verursacht wird diese wohlklingende Ambivalenz vor allem durch die Stimme des Algero-Katalanen Yacine Belahcene, die neben einer guten Portion Raï-Schmelz auch forsches Ska- und Ragga-Charisma besitzt. Der in Algerien geborene Leadsänger war vor 13 Jahren in die Heimatgefilde seiner katalanischen Mutter übergesiedelt, wo er fortan seine Freunde mit Orientalsounds infizierte. Für Lloreba ist Yacine innerhalb der Band „der Punkt auf dem i. Ohne ihn würden wir nicht auf Arabisch und wohl kaum auf Französisch singen.“

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