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Jazz thing 55
Magazin für Jazz

Yerba Buena. New York Krauts
 

Wie bei einem Casting für einen Independent-Film hätte er die Band zusammen gewürfelt und versucht, aus jedem der sehr individualistischen, aus verschiedensten musikalischen Ecken kommenden Mitglieder das Beste herauszuholen, meint Andrés Levin. Er ist der Mastermind von Yerba Buena, was deutsch „gutes Kraut" bedeutet und für Minze wie Marihuana steht. Der seit 1989 in New York ansässige Venezolaner bringt gemeinsam mit seiner Gefährtin, der kubanischen Sängerin Cucu Diamantes, eine subtile Ordnung in das bunte Durcheinander dieser Musiker-Gang, die Menschen jeden Alters auf den Dancefloor treibt.

Vor nunmehr drei Jahren im Melting Pot ausgegoren, wurde dieses süchtig machende Gebräu aus afro-kubanischer Rumba, kolumbianischer Cumbia, Funk & Soul, Reggae und Ragga, HipHop und Afrobeat, Boogaloo - jenem nuyorikanischen Pflänzchen aus den Sechzigern - sowie einem Schuss Orientalischen. Was nach einer willkürlichen Rezeptur, willkürlichem Freestyling klingt, ist durchaus wohldosiert und wohltuend gegen den Strich gebürstet, von den aus Kuba, Kolumbien und den USA stammenden Musikern mit Authentizität, witzigem Understatement und einem augenzwinkerndem Sexappeal für die Bühne flott gemacht.

Dort stehen auf eher spirituelle und virtuelle Weise - per Samples - dem achtköpfigen Kollektiv einige der übrigen, gut 20 Musiker bei, die das Debütalbum „President Alien" (Fun Machine/Sony) mit stemmten. Mit vielen, etwa Carlinhos Brown oder Mark Ribot, hatte der als Produzent ausgebuffter Projekte und Bands schwer gefragte Levin schon hier und da gemeinsame Sache gemacht - lange bevor er nun sein eigenes Baby zur Welt brachte. Der unter anderem in Berkeley geschulte Bassist, Arrangeur und Soundingenieur wollte einfach wieder den Herzschlag des Hörers seiner Musik vernehmen:

„Der direkte Kontakt mit dem Publikum ist eine extrem interessante Erfahrung, die mich lehrt, was wirklich die Essenz des Musikmachens ist, für wen ich das alles mache. Aber die Arbeit im Studio liebe ich auch, so dass ich beim Reisen auch immer mein tragbares Studio dabei habe und Aufnahmen mache."

Neues Spiel, neues Glück also und garantiert jede Menge neuer Ideen und Impulse brachte den New Yorker Aliens für ihr musikalisches Work in Progress auch die erste, lautstark gefeierte Europatour in diesen Sommer ein.

Text: Katrin Wilke